Die Geschichte Südtiroler Obstbaues

Die Erfolgsstory des Südtiroler Obstbaues

Die Erfolgstory des Südtiroler Erwerbsobstbaus startete ihren steinigen, aber immer wachsenden Weg bereits im Jahr 1860. Durch den damaligen lang anhaltenden Kriegszustand dauerte die statistische Erfassung unserer Obsternten etwas an und die ersten ungefähren Versandzahlen unseres Obstes waren ab 1867 nur vom Bahnhofsvorstand in Bozen, des Unterlandes und später auch von den Vorständen auf der Bahnlinie Bozen-Meran zu erfahren.

„Der Aufschwung des südtirolerischen Obsthandels“

Die Eisenbahn schaffte für den Südtiroler Obstbau eine schnelle, fruchtschonende und kostengünstige Verbindung zur Belieferung wichtiger Marktplätze mit großen Obstmengen.
Die versierten Kaufleute von Bozen erkannten die Möglichkeiten der gestiegenen Export-Chancen durch die Eisenbahn mit bemerkenswerter Intuition. Im Jahr 1867, das Eröffnungsjahr der Brennerbahn, exportierten sie ganze 1 230 Tonnen (t) Frischobst aus Südtirol. Bereits drei Jahre späterverdoppelte sich die Menge auf 3 000 t und 1893 erreichten sie sogar 6 000 t. Zu Beginn dieses Erfolges hatten die Bauern noch Probleme, die hereinbrechende Nachfrage zu befriedigen. Ausschlaggebend für den plötzlichen Lauf zum Obstexport waren die äußerst verlockenden Obstpreise, welche den Tagesverdienst eines Arbeiters in der Fabrik weitaus übertrafen.

1878-1893
Während der Jahre 1878 bis 1893 erhob Russland, welches inzwischen ein wichtiger Exportmarkt unserer Obsthändler war, einen hohen Zolltarif auf Fassobst und Sekundarware. Dies konnte in Jahren mit guten Ernten auf der Krim bereits unseren Export lahmlegen.
Zur Obstsaison von 1884 hatten Deutschland, Böhmen und die Steiermark nur eine geringe Obsternte im Vergleich zu Südtirol. Das führte zu einem „Blütenkauf“, bei welchem die Händler bereits während der Blüte zu überhöhten Preisen kauften. Die Folge: Neben zahlungsunfähig gewordenen Händlern gab es wieder solche, die etwas Geld zuzusetzen hatten und mit ihrer Ware daher sogar ins ferne Russland zogen. Nachdem sie sich von der Wirklichkeit des hohen Zolles und der Fracht aber überzeugt hatten, waren sie gezwungen, dort die Ware um jeden Peis loszuschlagen und mussten mit leeren Taschen heimkehren.

1889
Die Obsternte im Jahr 1889 zählt zu den schlechtesten der vergangen Jahre. Das Obst wurde kaum reif und erbrachte ein wenig befriedigendes Resultat. Im darauffolgenden Jahr wurde wieder eine reiche Ernte gemeldet, mit einer Schätzung von nahezu 1.000 Wagons (10.000 t).

1984
In der russischen Haupt- und Residenzstadt Petersburg fand 1894 die Internationale Obstausstellung statt, bei welcher zahlreiche Südtiroler Obsthändler, wie die Obstproduzentengenossenschaft Meran-Burggrafenamt ihre beste Ware präsentierte. Im selben Jahr wurde auch der Zolltarif für den Import der billigeren Fassware herabgesetzt.

1897
Amerikanische Äpfel kamen im Jahr 1897 aus weiter Ferne nach Tirol. Die europaweite Missernte vom Vorjahr führte zu hohen Preisen, welche die amerikanische Konkurrenz herausforderte. Diese überschwemmte förmlich die europäischen Seehafen und ließ die Preise um fast 50% zurückgehen.

1882-1897
Zwischen den Jahren 1882 und 1897 ist ein stetig auffallender Rückgang der Produktion zu erkennen, welcher auf Äpfel-Schädlinge, wie Rüsselkäfer und Schorf, zurückzuführen ist.

1914-1921
Während des Ersten Weltkrieges (1914 - 1918) wurden keine offiziellen Berichte über die Obsternten verfasst. Im Jahr 1916 wurden Kriegsflüchtlinge aus Galizien und Polen vermittelt, um den Mangel von landwirtschaftlichen Arbeitern auszugleichen. Die Kriegszeit hat schwere Rückschläge für den Obstbau mit sich gebracht. Zahlreiche Kulturen mussten infolge von Schädigungen durch Insekten und Pilze, aber auch infolge von Vernachlässigung der Düngung und Pflege dezimiert werden. Die Baumschulen hatten zu diesem Zeitpunkt nicht genug Pflanzmaterial für die Ersatzpflanzungen. Erst im Jahr 1921 stieg die Zahl der gepflanzten Wildlinge von ca. 3.000 auf ca. 100.000 an. In den folgenden 10 Jahren hat die Anpflanzung deutlich zugenommen.

1921-1939
Ende der 20er und 30er Jahre betrug der Anteil der Äpfel 80%, die der Birnen 13% und der Tafeltrauben 7%. Die Bestimmungsländer unseres Obstversands waren Deutschland 51%, Italien 22%, Schweiz 12%, Österreich 5% und andere 10%. Zu diesem Zeitpunkt erhöhte sich die Anzahl der privaten Handelsfirmen auf 50 und die der Obstgenossenschaften auf sieben. Im Jahre 1929 bedeckte der Apfelanbau in Südtirol insgesamt 7 800 ha. Davon waren 5 306 ha Reinkultur, wovon sich der größte Teil in Meran und Bozen befand.
Im Zeitraum von 1900 bis 1934 hat sich die Südtiroler Obstproduktion nahezu verzehnfacht. Im Jahre 1934 gab es in Südtirol 60 private Obstexporteure und 12 Obstgenossenschaften.

1950
Auch im Jahr 1950, den Nachkriegsjahren, wurde ein starker Rückgang des Obstabsatzes beklagt sowie Schwierigkeiten beim Export in einige Länder wie Deutschland. Deutschland war für den Obstexport immer ein wichtiges Partnerland, nahm in der Saison 1949/50 aber nur 64 800 t anstatt der 132.000 t im Jahr 1938. Die deutsche Bevölkerung war geschwächter als man zuvor angenommen hatte. Die geschwächte Kaufkraft der deutschen Bevölkerung hatte zur Folge, dass die Nachfrage zahlreicher deutscher Importeure, welche früher ausschließlich in Südtirol Käufe abschlossen, sich nun für billigerer Ware aus Romagna und anderen Gebieten entschieden. Dafür entwickelte sich der Gesamtobst-Export nach England gut: Im Jahr 1949 verzehnfachte sich dieser gegenüber dem Vorkriegsjahr 1938.

1954
Ab 1954 begann die Handelskammer Bozen jedes Jahr statistische Daten über die Südtiroler Kernobsternte zu erheben, auszuarbeiten und für Interessenten zur Verfügung zu stellen. In den 50er Jahren überzeugte auch die Frostbekämpfung mittels Beregnung als wirksamste Abwehrmethode.

1970-1979
In den 70er Jahren hat die Entwicklung unseres Obstbaus, aufgrund verschiedener Neuerungen wie Dichtpflanzungen und Großkisten, einen regelrechten Boom erlebt. Die Gesamternten erbrachten immer wieder neue Rekordzahlen, genauso wie die Erträge pro ha und der Anteil erster Qualität.

Während der letzten Jahre erlebte der Südtiroler Obstbau viele Neuerungen seiner Geschichte. Viele Bauern haben das bereits früh geahnt und sich entschlossen eine fachliche Beratungsorganisation zu schaffen. Am 21. Dezember 1957 ist nach ausgiebiger Vorarbeit im Rahmen des Absolventen-Vereins, Bezirk Meran, dann der Südtiroler Beratungsring für Obst- und Weinbau gegründet worden. Im selben Jahr entstand auch die EWG, die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft, heute Europäische Union. Damit wurden die Voraussetzungen für einen großen „Gemeinsamen Markt“ geschaffen.
 
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