Studie der FAO

Landwirtschaftliche Familienbetriebe in der Apfelproduktion in Südtirol: Erfolgreiches Netzwerk

 | © Südtiroler Apfelkosortium
Die Ernährungs- und Landwirtschafsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) hat die Apfelproduktion in Südtirol als wirksames Beispiel eines innovativen Systems in der Landwirtschaft untersucht und sich mit der Entwicklung und den Faktoren befasst, welche die Entstehung dieses Systems ermöglicht haben. Das Erfolgsmodell ist demnach das Lern- und Innovationsnetzwerk für nachhaltige Landwirtschaft (LINSA).

Apfelanbau mit Geschichte
Der Apfelanbau in Südtirol geht bis ins 16. Jahrhundert zurück und ist heute wichtigster Beschäftigungszweig in der Südtiroler Landwirtschaft. Auf einer Gesamtfläche von 19.000 Hektar arbeiten über 8.000 landwirtschaftliche Familienbetriebe. Südtirol produziert 50 Prozent aller auf dem italienischen Markt verkauften Äpfel, der Marktanteil in Europa liegt bei 15 Prozent und am Weltmarkt 2 Prozent.

Wissensmanagement und voneinander Lernen als Erfolg
Die Erfolgsgeschichte der Apfelwirtschaft ist das hoch entwickelte und anpassungsfähige Netzwerk. So arbeiten Produzenten, ihre Genossenschaften und Verbände, Forschungseinrichtungen, landwirtschaftliche Beratungsdienste und weitere öffentliche und private Akteure flexibel und professionell zusammen. Dieses so genannte Lern- und Innovationsnetzwerk für nachhaltige Landwirtschaft (LINSA), entstanden nach dem Zweiten Weltkrieg, ist ein Netzwerk für Wissensmanagement. Grundlage der Kooperation sind die Prinzipien der Selbsthilfe, Selbstverwaltung, Selbstverantwortung und Mitgliederförderung. Die Südtiroler Apfelproduzenten überzeugen mit ihrer Innovationsfähigkeit und ihrem Einfallsreichtum, welche die Faktoren für den Erfolg sind.

Der Weg der LINSA ist der Weg einer lernenden Organisation
Lernen durch Erfahrung, Lernen und Nachahmung, Lernen durch Akquisition. Es ist als Netzwerk entstanden, das auf menschliche Beziehungen und Vertrauen fußt und das Ziel hat, die gemeinsamen Interessen seiner Mitglieder zu entwickeln. Damit wurde die Apfelproduktion in Südtirol zu einem lebendigen Innovationssystem in der Landwirtschaft.

Die Analyse der FAO nimmt die Entstehung und Entwicklung der verschiedenen Institutionen und die Schaffung der Verbindungen innerhalb des LINSA unter die Lupe und teilt die Entwicklung in fünf Phasen ein:

1.    1945-1960: Stärke in der Einheit und unabhängiger Beratungsdienst.
Nach dem Zweiten Weltkrieg war Südtirol verarmt, die Produzenten entwickelten das Bewusstsein, dass sie zusammenarbeiten mussten. 1945 entstand der VOG (Verband der Südtiroler Obstgenossenschaften), in dem neun Genossenschaften zusammengeschlossen waren mit dem Ziel, die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Zudem entstanden neue Genossenschaften, um die von den Mitgliedern produzierten Äpfel zu lagern und zu vermarkten. 1945 wurde der Bauernbund neu gegründet. 1957 entstand der Beratungsring für Obst- und Weinbau, der einer der wichtigsten Akteure im LINSA wurde.

2.    1961-1971: Intensivierung, integrierte Produktion und Lagerung.
In den 1950-er und 1960-er Jahren stiegen die Arbeitskosten, der Apfelpreis sank. Auf institutioneller Ebene wurde 1962 die Fachschule für Obst-, Wein- und Gartenbau Laimburg gegründet. Zusammen mit dem Beratungsring wurden sie die zwei Hauptakteure des AKIS (Landwirtschaftliches Wissens- und Informationssystem) zur Unterstützung der Produktion. Das LINSA wurde mit Einführung des Palmetten- und dann des „schlanken Spindelsystems“ auch in der Produktionstechnik aktiv: Die Systeme waren weniger arbeitsintensiv und brachten höhere Erträge. Der Bedarf der langfristigen Lagerung führte zu einer Sorteninnovation. Ab 1970 wurden ältere Sorten mit jenen ersetzt, die geeigneter für die neuen Anbau- und Lagermethoden waren.

3.    1972-1990: Verbesserung der Qualität und erste Innovationsplattform.
Im Jahr 1973 wurde das Konsortium für den Schutz landwirtschaftlicher Kulturen vor Witterungsunbilden eingerichtet. 1976 wurde das Land- und forstwirtschaftliche Versuchszentrum Laimburg gegründet. Auf Genossenschaftsstruktur kam das VI.P (Verband der Vinschgauer Produzenten für Obst und Gemüse) dazu. 1988 wurde der integrierte Obstanbau mit Gründung der AGRIOS, der Arbeitsgruppe für den integrierten Obstanbau in Südtirol, institutionalisiert. 1974 gab es die erste Bioapfelproduktion in Südtirol, 1977 die Anerkennung der Marke „Südtiroler Apfel“ als geschützte geografische Angabe, 1981 die Gründung der KSB, der ersten Genossenschaft für Apfelbaumschulen unter Sanitär- und Qualitätskontrolle der Laimburg.

4.    1991-2011: Sorteninnovation, Konsolidierung und internationale Netzwerke.
In den 1990-er Jahren kam es aufgrund einer neuen Ausrichtung der Förderungspolitik zu einem Zusammenschluss von Genossenschaften und damit zu einem Modernisierungsschub mit positiven Auswirkungen für das LINSA. Dieses ging auch internationale Partnerschaften ein und arbeitete mit Forschungszentren in Österreich und Schweiz zusammen. 1998 fand die erste Fachmesse Interpoma statt, die dem Anbau, der Lagerung und der Vermarktung des Apfels gewidmet ist. 1991 begann die Laimburg mit dem Test neuer Lagerungsmethoden der dynamisch kontrollierten Atmosphäre. 2002 wurde eine neue Innovationsplattform, das Sortenerneuerungskonsortium Südtirol (SK Südtirol), gegründet.

5.    Ab 2002 bis heute: Innovation, Professionalisierung, Markt.
Letzthin kam es zu einer weiteren Konsolidierung der genossenschaftlichen Vermarktungsstruktur aufgrund der Marktkonzentration des Einzelhandels für Obst. Die Genossenschaften sind heute unter dem VOG und VI.P in Verkaufspools organisiert. Die Richtlinien für die integrierte Produktion wurden ausgebaut und das Konsortium für Südtiroler Qualitätskontrolle (SQK) geschaffen. Die Bioproduktion nimmt zu. VI.P und VOG haben das Ziel neue Märkte zu erschließen und den Export in Nicht-EU-Länder zu erhöhen.

FAO Studie

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