Obstwirtschaft hat Nachhaltigkeit im Fokus

In der Mode, in der Landwirtschaft, im Lebensmitteleinzelhandel… In ziemlich jedem Bereich des Lebens sind Nachhaltigkeit, Klima- und Umweltschutz heute vorherrschende Themen.

 | © Südtiroler Apfelkonsortium
So stand die Nachhaltigkeit auch im Zentrum mehrerer Vorträge, mit denen sich kürzlich rund 150 Obstbauern bei einem dreitägigen Seminar des Absolventenvereins Landwirtschaftlicher Schulen (ALS) beschäftigt haben.

Von der Landwirtschaft werden gerne Schwarz-Weiß-Bilder gemalt: hier die Guten – dort die Schlechten. Einige haben eine romantische Vorstellung von der Arbeit der Bauern und Bäuerinnen, andere eine geradezu apokalyptische. Dabei haben nur wenige Menschen Einblick in die moderne, nachhaltige Landwirtschaft. Obwohl Auflagen und Anforderungen an die Bauern – und somit die Sicherheit für Mitarbeiter, Konsumenten und Bevölkerung – stetig steigen, stehen Landwirte oftmals in der Kritik. Dies ist in Deutschland nicht anders als in der Schweiz und in Südtirol. „Nachhaltigkeit ist ein schwieriges Thema“, sagte der Seminarteilnehmer Thomas Linser. „Auf der einen Seite wird sie von uns gefordert, auf der anderen Seite verhalten sich jene Leute, die sie am lautesten fordern, selbst ganz anders“, hat der Jungbauer aus Latsch beobachtet. „Und das stört mich am meisten. Wenn man etwas fordert, sollte man diesen Maßstab auch bei sich ansetzen.“

„Südtiroler Apfelanlagen bestehen bereits derzeit aus vielen „ökologischen Zellen“, in denen Gräser, Kräuter, Blumen und Hecken wachsen und in denen zahlreiche Kleintiere zu Hause sind“, sagte der Landesrat für Landwirtschaft Arnold Schuler und kündigte an, bestehende Habitate in Zukunft noch stärker zu schützen und neue zu schaffen um die Artenvielfalt zu steigern. Sträucher, Trockenmauern, Steinhaufen oder Böschungen dienen vielen Tieren als Unterschlupf. Ziel sei es die landwirtschaftlichen Flächen in der Talsohle und an den Hängen, die vornehmlich durch den Obst- und Weinbau geprägt sind, durch Hecken und Einsaaten mosaikartig zu verzahnen, um mehr Vielfalt in die Landschaft zu bringen und dadurch die Natürlichkeit der Landschaft zu fördern, sagte Schuler.

Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft wird oftmals rein am Pflanzenschutz festgemacht, doch Nachhaltigkeit ist viel umfassender: „Nachhaltigkeit betrifft nicht nur ökologische Aspekte, sondern auch soziale und wirtschaftliche“, sagte Hannes Tauber, Marketingleiter des Verbandes der Obstgenossenschaften (VOG) und Referent des Seminars. „Manchmal wird die Ökologie an die erste Stelle gesetzt, dabei interagieren die drei Säulen der Nachhaltigkeit miteinander und sind allesamt wichtig.“

So sind eine kontinuierliche Erneuerung des Sortiments und eine bedachte Sortenplanung wesentlich für eine nachhaltige Entwicklung. Darum haben die Vermarktungsorganisationen VOG und die Vinschgauer Produzenten (VI.P) vor Jahren die Kräfte gebündelt und arbeiten nicht nur in Konkurrenz, sondern auch gemeinsam - beispielsweise im „Sortenerneuerungskonsortium“ - zusammen. „Wir orientieren uns dabei an der Entwicklung des Marktes und den Wünschen der Kunden“, sagt Tauber. Schließlich sichert der wirtschaftliche Erfolg das Einkommen zahlreicher Bauernfamilien und Mitarbeiter nachhaltig.

Der Südtiroler Obstwirtschaft sind aber auch die Natur und Umwelt wichtig. Darum werden umweltschonende Anbauformen gefördert und forciert. Eine „Gute landwirtschaftliche Agrarpraxis“ ist in Südtirol seit Jahren Standard – und der „konventionelle“ Anbau wurde hierzulande vor über 30 Jahren vom naturnahen „integrierten“ Anbau ersetzt. Darüber hinaus ist Südtirol Europas größter Lieferant an biologisch angebauten Äpfeln. „Kein Bauer und keine Bäuerin hat Interesse, möglichst viele Pflanzenschutzmittel einzusetzen – im Gegenteil! Moderne Landwirtschaft ist Präzisionsarbeit. Hier wird punktgenau behandelt, sodass Pflanzenschutzmittel reduziert und unnötige Kosten gespart werden“, so Georg Kössler, Obmann des Südtiroler Apfelkonsortiums, der die Bedeutung solcher Weiterbildungsveranstaltungen auch aus diesem Grund unterstreicht.

Nicht zuletzt ist die Kommunikation mit den Konsumenten und der heimischen Bevölkerung ein wichtiges Glied der Kette. Sowohl die klassische Kommunikation als auch die Markenkommunikation kann den Menschen Orientierung und Vertrauen geben. „Die „Apfelbotschafter“ sind in verschiedenen Gemeinden Südtirols unterwegs und informieren Interessierte über den modernen Apfelanbau. Aber auch Gespräche mit Bauern und Bäuerinnen können helfen, Missverständnisse aufzuklären und Ängste zu nehmen“, sagte Hannes Tauber.

Wie die Südtiroler Obstbauern beschäftigen sich auch die Schweizer Obstbauern mit ähnlichen Themen, berichtete Jimmy Mariéthoz, der Direktor des Schweizer Obstverbandes Fruit-Union Suisse, der beim Obstbauseminar zum Thema „Schweizer Obstbau, Mehrwegstrategie und Nachhaltigkeit“ referierte. Eine Mehrwertstrategie ist zur Zeit die wichtigste Initiative des Schweizer Obstbaus. So muss sich der Schweizer Obstbau weiterentwickeln. Ein gesunder, nachhaltiger Obstbau soll beschleunigt werden, die Wettbewerbsfähigkeit gefördert, resistente Sorten entwickelt, Risiken von Pflanzenschutzmittel gesenkt und Alternativen gefördert werden. Zudem soll der CO2 Ausstoß reduziert, Partnerschaften ausgebaut und die Kommunikation gefördert werden, sagte der Referent.

Alle Teilnehmer waren sich einig, dass die Themenauswahl beim Obstbauseminar des ALS am Puls der Zeit war und sie wertvolle Informationen für die Betriebsführung mit nach Hause nehmen konnten.

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